Unsere Grundhaltung
Traumapädagogisch, systemisch, inklusiv
Der unbedingte Respekt vor der individuellen Persönlichkeit, den Rechten, den Bedürfnissen und Bedarfen der jungen Menschen steht in unserer Arbeit im Mittelpunkt. Wir akzeptieren und respektieren jeden Menschen in seiner Individualität, Einzigartigkeit und im Kontext seiner Lebensgeschichte. Wir versuchen ganz genau wahrzunehmen, welche Anforderungen seitens der Kinder und Jugendlichen an uns gestellt werden und wie unsere Hilfe gestaltet sein muss, damit sie angenommen oder zumindest gut ausgehalten werden kann.
Jedes Kind hat bei uns das Recht auf seine individuelle Entwicklung und auf Kindheit!
Mit unserer familiensystemischen Sichtweise sehen wir den Menschen in seinem Beziehungsgefüge, seiner Herkunft und seinen sozialen Systemen. Wir gehen davon aus, dass der Mensch sich im Kontext von Beziehungen verhält. Der Aufbau stabiler und hilfreicher Beziehungen ist ein zentrales Instrument unserer Pädagogik.
Die jungen Menschen, die bei uns leben, haben in ihrem Leben sehr belastende Dinge erfahren müssen. Diese Vorgeschichte hat Spuren hinterlassen – Spuren, denen wir mit Zeit, Geduld und Wertschätzung und einer hohen Fachlichkeit begegnen. Wir wissen um den besonderen pädagogischen Bedarf traumatisierter junger Menschen. Die Entwicklung und Weiterentwicklung unseres traumapädagogischen Konzeptes sehen wir als institutionellen und kontinuierlichen Prozess. Hier tragen alle Beteiligten an ihrem Platz Verantwortung. Unsere traumapädagogische Grundhaltung wirkt auf allen Ebenen, d.h. im Umgang mit den Kindern und Jugendlichen und deren Herkunftsfamilien, im Umgang mit unseren Mitarbeitenden, auf Leitungsebene sowie auf institutioneller Ebene.
Wir achten darauf, welche Dinge uns als Fachkräfte belasten und wie wir unter Belastung fühlen und handeln. Wir schulen kontinuierlich unsere Selbstkontroll- und Distanzierungstechniken und reflektieren unsere eigenen Verhaltensweisen. Je klarer wir sind, je weniger wir auf eigene Themen “anspringen” und je gelassener wir Situationen einschätzen können, desto professioneller können wir Nähe und pädagogische Interventionen gestalten.
Alles, was ein Kind zeigt, macht im Kontext seiner Lebensgeschichte Sinn!
Wir legen den Fokus auf die Stärken, Ressourcen und die Widerstandskraft der jungen Menschen und versuchen die innere Sicht der Kinder und Jugendlichen einzunehmen, um sie zu verstehen. Kinder haben oft keine Sprache für die Dinge, die sie erleben mussten. Verhaltensweisen, die anfangs für uns nicht verständlich sind, versuchen wir gemeinsam mit dem jungen Menschen zu verstehen und wertschätzen diese als notwendige Anspassungsleistung und Überlebensstrategie.
Alle haben bei uns, jederzeit ein Recht auf Klarheit und Partizipation.
Traumatisierte Kinder und Jugendliche haben in ihrer Vergangenheit oftmals Unberechenbarkeit und Willkür erlebt sowie wenig Stabilität und Verlässlichkeit erfahren. In einem von Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung geprägten Umfeld erlebten die jungen Menschen eine extreme Form des Kontrollverlust und der Ohnmacht. Regeln, Macht und Hierarchien werden meistens mit etwas Missbräuchlichem und Willkürlichem verknüpft. Unsere pädagogischen Bemühungen sollen deshalb dazu beitragen, dass die jungen Menschen möglichst angstfrei und bereichernd am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Wir verstehen uns als Schutzort und bemühen uns auf allen Ebenen um Sicherheit und Stabilität. Von Anfang an erfahren die Kinder und Jugendlichen Wertschätzung, Transparenz und ein Höchstmaß an Beteiligungs- und Mitentscheidungsmöglichkeiten. Wir trauen den jungen Menschen etwas zu und versuchen gleichzeitig sie nicht zu überfordern.
Traumatische Erfahrungen gehen mit extremen Gefühlen wie Ohnmacht, Angst, Trauer, Wut und Scham einher. Umso wichtiger ist es, die Freudenseite der jungen Menschen wieder zu beleben. Wir entdecken gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen ihre Ressourcen und Kompetenzen. Dabei können alte Resilienzfaktoren erkannt und neue ausgebaut werden.
Spielen ist ein Grundbedürfnis und für Kinder so wichtig wie essen und schlafen.
Traumatisierte Kinder und Jugendliche haben oft wenig Zeit für Spiel gehabt. Um zu überleben, haben sie nicht selten auf Kindheit verzichten müssen. Die zusätzlichen Auswirkungen des Aufwachsens in einer digitalen Kindheit gehen häufig auf Kosten von kindlichem Freispiel. Im Spiel setzen sich Kinder mit der erwachsenen Welt auseinander und können die Erlebnisse des Alltags oder der Vergangenheit verarbeiten. Für traumatisierte Kinder ist Spielen oft das einzige Ausdrucksmittel, um mit uns über die Erlebnisse zu “sprechen”. Wir geben deshalb Zeit und Raum für kindliches Spiel.

